WESA



Während seiner Aktivdienstzeit als technischer Offizier im 2. WK entwarf Hans Sandmeier eine kleine elektrische Eisenbahn, deren Gleisradien den Aufbau einer Tischanlage ermöglichen, andererseits aber auch einen hochwertigen Antrieb, Robustheit und Betriebssicherheit aufweisen sollte. Aus dieser Idee entstand die WESA-Bahn mit einer Spurbreite von 13 mm im Grössenmassstab von ca. 1:110. Damals war dies die kleinste Modellbahn, daher der Name WESA-Liliput. Später wurden die Fahrzeuge im ungefähren Verhältnis 1:100 gebaut. Unmittelbar nach Kriegsende im Sommer 1945 gründete Sandmeier die neue Firma und bezog auf den 1. August ein zu diesem Zweck gekauftes Fabrikgebäude in Inkwil BE. Bereits auf Weihnachten 1945 konnten die ersten 500 Zugspackungen an den Fachhandel ausgeliefert werden. Nachkriegsbedingte Materialprobleme forderte aber die junge Firma mit zahlreichen Problemen. Die anfänglich verwendeten Schienenprofile und die Holzbettungskörper wurden sobald wie möglich durch vernickeltes Messingprofil bzw. Kunststoff ersetzt. Später erfolgte die Umstellung auf ein Gleis mit Kunststoffschwellenband.


Früher Schnellzug mit erstem Lokmodell und Wagen aus Holz

 
Späterer Schnellzug mit Re 4/4 Lok und Wagen aus Kunststoff

Die ersten Fahrzeuge wirkten noch sehr spielzeughaft, glich die als Re 4/4 deklarierte Lok doch eher einer Strassenbahn und die Personenwagen waren aus einem Massivholzklotz gefräst und mit bedrucktem Papier überzogen. Dank der ab 1947 aufkommenden Kunststofftechnik, die nun sehr feine Spritzgussteile ermöglichte, konnte das Sortiment sukzessive mit attraktiven neuen Wagenmodellen ausgebaut werden. Auch neue vorbildgerechte Lokomotiven, wie die Re 4/4 oder die Ae 6/6 wurden entwickelt. Alle WESA-Loks besitzen ein massives Zinkspritzgussgehäuse, was ihnen hohe Zugkraft und Robustheit verleiht. Besonders gut lief das Exportgeschäft in alle Welt, das bis zu 70 % der Produktion ausmachte. Die Blechgebäude, wie Bahnhöfe, Güterschuppen usw. wurden von >KIBRI bezogen, die Signale stammten aus dem >BUCO Spur 0 Sortiment, mit gekürzten Masten.


MITROPA Schlaf- und Speisewagen vor KIBRI-Bahnhof


Deckelbild einer Zugspackung


Ein Teil des Güterwagensortiments im Katalog 1962


Im umfangreichen Handbuch werden die Spiel- und Kombinationsmöglichkeiten detailliert erklärt

Das einst als vorteilhaftes Alleinstellungsmerkmal gedachte Konzept erwies sich durch die allmählich verstärkt auftretende H0-Konkurrenz zunehmend als Nachteil. Die WESA-Gründerfirma stellte 1966 aufgrund einer Neuausrichtung die Produktion der beliebten und äusserst robusten Bahn, die heute noch einen grossen Liebhaberkreis hat, ein. E. Aerni aus Wimmis übernahm nun Montage und Vertrieb, gab aber angesichts der wachsenden ausländischen Konkurrenz bereits 1967 auf. In der Folge wechselten sich mehrere Nachfolger ab, aber eine echte Renaissance stellte sich aus verschiedenen Gründen nicht ein. Die Werkzeuge und viele Einzelteile harren seit Jahren auf ihre weitere Zukunft.
2.4.2019 GJW

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